Münster

Vernissage: Sonntag, 05. Juli 2026 von 15:00 bis 17:00 Uhr
„Frau, Leben, Freiheit!“ Dieser Protestschrei, mit dem die mutigen Frauen im Iran ihre Menschenrechte einfordern, geht einem sofort durch den Kopf, wenn man Ali Eameris Gemälde zum ersten Mal erblickt. Aber der erste Eindruck täuscht: Ali Eameris Kunst ist nicht politisch; sie nimmt nicht Partei, sie mahnt nicht, sie kritisiert nicht; sie zeigt. Wie das Gezeigte zu deuten ist, bleibt allein den Betrachtenden überlassen.
Ali Eameri malt Frauen. Allerdings hat nie eine Frau dem Künstler je Modell gesessen oder gestanden, auch die eigene nicht. Er malt auch nicht nach Fotos. Die Frauen auf seinen Bildern gibt es in der Realität also nicht und doch sind sie echt. Ali Eameri wurde 1950 im Iran geboren und zog im Alter von 26 Jahren nach Münster. Das Bild der Frau, das er immer noch in und mit sich trägt, wurde in diesen 26 Jahren geformt. Kein Wunder also, dass seine Frauenfiguren mit ihren schwarzen Haaren, ihrer schlanken Gestalt und den großen dunklen Augen wie Iranerinnen anmuten; sie sind aber keine. Ali Eameris Frauen könnten von überall her sein, uns überall begegnen; sie stehen für die Frau an sich, und der Künstler zeigt uns diese Frau mit all ihren Facetten.
Es sind vor allen Dingen die Augen dieser Frauen, die in den Bann schlagen. Diesen Blicken kann sich niemand entziehen. Sie scheinen einen zu durchbohren, ja bis ins Innerste unserer Seele durchzudringen. Wer betrachtet hier eigentlich wen? So möchte man fragen. Die Frauen im Bild kennen das Leben, und sie scheinen darüber mehr zu wissen, als wir Menschen vor dem Bild.
Ali Eameri versteht es, seinen Frauenfiguren eine Aura des Abgeklärten, der Würde, des Stolzes, ja des bis zur Unnahbarkeit Erhabenen zu geben. Entschlossenheit, Willensstärke, Furchtlosigkeit, Skepsis, Neugierde, dies und vieles mehr lässt sich aus diesen Blicken lesen, und doch bleibt da immer ein Rest, der sich nicht enthüllen lässt. Jede dieser Frauen ist von einem unsichtbaren Schleier umgeben, unter dem sie ihre letzten Geheimnisse verbirgt. Die Spekulationen und Vermutungen darüber münden in einem inneren Zwiegespräch mit dem Bild. Jedes Werk von Ali Eameri ermuntert zum Dialog.
Ali Eameri ist kein studierter Künstler, sondern Autodidakt. Während seines Studiums der Soziologie, Psychologie und Philosophie an der WWU Münster entdeckte er die Malerei für sich. Er arbeitet vorwiegend mit Ölfarben, aquarelliert und zeichnet aber auch. Kubismus, Realismus und Expressionismus haben einen starken Einfluss auf sein Schaffen, aber er imitiert nicht, sondern integriert diese Einflüsse in seinen ureigenen, unverwechselbaren Malstil, aus dem gelegentlich auch eine charmante Naivität hervorlugt.
Ali Eameris Bilder glänzen meist in leuchtenden Farben. Ähnlich wie die Expressionisten ist er davon überzeugt, dass jede Farbe für ein eigenes Gefühl steht und so einen jeweils spezifischen Aspekt unseres Seelenlebens erleuchtet: Orange bedeutet Lebenslust und Vitalität, Rot Willensstärke und Leidenschaft, Blau Sehnsucht und Klugheit, Grün Hoffnung und Toleranz und Gelb Optimismus und Kreativität.
„Wenn man bedenkt, dass jede Farbe das gleiche Licht empfängt“, erläutert der Künstler, „einige jedoch das Licht schlucken, nicht zurückgeben, und so dunkel und unsichtbar bleiben, während andere das Licht annehmen, es verwandeln und zum Strahlen bringen, so ist man geneigt, dieses Phänomen auf die Menschen zu übertragen. Manche Menschen können nur nehmen und nicht geben. Andere können beides. Und dieses Geben, so meine ich, bringt die Menschen und somit die Welt zum Strahlen.“
„Ali Eameris Kunst ist fürwahr nicht politisch, sie ist weitaus mehr: Sie ist philosophisch. Sie ist weise. Sie ist menschlich.“ (Uwe Wiedenstried)
Mehr Informationen gibt es hier:
http://www.alieameri.com/



