Münster

Der Freund kann gar nicht von hier sein; der andere auch nicht: Wer möchte diese Typen auch zu Nachbarn haben, zu Bekannten, Verwandten oder gar zu Freunden; diese beiden Prachtexemplare, deren selbstgefälliges Grinsen irgendwo aus den Untiefen ihres dicken, weil überfüllten Skrotums hervorgebrodelt sein mag?
Wo auch immer die Künstlerin SCHMIMO, mit bürgerlichem Namen Regine Schmidt-Morsbach, diesen beiden hoffentlich letzten Dinosauriern aus dem Äon des Machismo begegnet ist; hier bei uns gewiss nicht. – Niemals!
SCHMIMOs Frauengestalten sind nicht weniger prachtvoll: Aufgebrezelt wie eine Mischung aus Ballermann-Grazie und Bordsteinschwalbe, meist ihr Idealgewicht längst überschritten habend, fletschen sie uns die überdimensionierten strahlendweißen Jacketkronen entgegen oder machen wollüstig ein Küsschen mit knallroten Kirschlippen.
Männern wie Frauen auf SCHMIMOs Bildern fehlt meist das Neurocranium, also jener Teil des Schädels, der das Gehirn beherbergt.
Sie sitzen an voll beladenen Tafeln, saufen, prassen, schwadronieren oder dumpfen bereits abgefüllt vor sich hin. Die meisten zeigen ein feistes Lachen, so als würden sie über die armen Trottel feixen, die nicht das Privileg genießen, ihrer Schickeria anzugehören.
„Mein Freund ist nicht von hier“, der Titel ihrer Ausstellung in der F24 ist beruhigend: SCHMIMOs Modelle kommen, wer weiß, von wo und wann; mit uns hier jedenfalls haben die Gestalten, die uns aus all ihren Bildern entgegengrienen, nichts, aber auch gar nichts gemein.
Die 1953 geborene Münsteranerin Regine Schmidt-Morsbach hat unter ihrem Pseudonym SCHMIMO seit langem schon Namen und Renommee in der Kunstszene; nicht nur in Deutschland, auch in Italien, Frankreich, den Niederlanden, in Spanien, der Schweiz, in Polen und sogar in Vietnam hat sie ausgestellt und/oder veröffentlicht. Gut die Hälfte des Jahres lebt und arbeitet sie am Lago di Bolsena in Italien. Hier, in ihrer „Casa Arcadia“ mit Panoramablick über den See, gibt sie auch Mal-Workshops.
SCHMIMO malt überwiegend mit Aquarell- und Acrylfarben, aber auch mit Tusche und in Öl. Sie bevorzugt dabei das große Format. Ihre Bilder seien zugleich „Beobachtung und Statement“, schreibt sie auf ihrer Website: „Immer wieder Menschen … fesseln meinen Blick, lassen mich aufmerken und meine Augen nicht weiterziehen“.
„Wenn ich anderen zugucke, bin ich immer ein Stückweit mit im Boot. … Wenn ich lache, lache ich gerne auch über mich.“ Die Menschen, die sie male, seien „wie wir“.
SCHMIMO macht sich nicht über Menschen lustig: Sie karikiert sich selbst, uns und all die anderen Freunde. Karikieren heißt Überzeichnen, nicht Lächerlichmachen.
Regine Schmidt-Morsbach hält uns einen Spiegel vor. Morgens beim Zähneputzen spricht der Alibert an der Wand zu jeder und jedem von uns im ganzen Land: Erkenne Dich selbst. Der Freund, der nicht von hier ist, der bist Du selbst – bis zur Kenntlichkeit entstellt.
Der Kulturverein der F24 freut sich auf SCHMIMOs Ausstellung „Mein Freund ist nicht von hier“.
Ausstellung in der F24 vom 17. Januar bis 13. März 2026
Vernissage: Sonntag, 18. Januar 2026 von 15:00 bis 17:00 Uhr
KulturKneipe F24, Frauenstraße 24, 48143 Münster
Herzlich willkommen. Eintritt frei.
Mehr Informationen zu SCHMIMO (Regine Schmidt-Morsbach) gibt es hier:
https://www.schmimo.com/de/
