Geschichte des Hauses

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Frauenstraße 24 – Die Geschichte einer Besetzung und erfolgreichen Widerstandes

 

Die 70er Jahre: Abrisspläne, Widerstand und Hausbesetzung

 

1971 (Januar)    

kaufte der Makler Stürmer das Haus Frauenstraße 24. Seine Absicht war, das Haus abreißen zu lassen, um ein profitableres Gebäude mit Eigentumsappartments zu errichten. Die Abbruchgenehmigung dafür bekam er schnell von der CDU-Stadtverwaltung. Hinderungsgrund gegen den sofortigen Abriss war die Sozialbindung des Hauses, da es nach dem Krieg auch mit öffentlichen Mitteln restauriert worden war. Um die Sache zu beschleunigen, ließ Stürmer einige Wohnungen unbrauchbar machen, Fenster und Türen zertrümmern sowie Lichtleitungen und sanitäre Anlagen zerstören. Gleichzeitig versuchte Stürmer, die Mieter und Mieterinnen mit Geldabfindungen zum Auszug zu bewegen. Der Künstler Gerd Meyerratken war schließlich einer der letzten, die das Haus noch bewohnten.

Ihm und anderen war klar, dass gute Bau- und preiswerte Wohnsubstanz nicht systematisch zerstört werden durften: Mit dem Anliegen, das Haus Frauenstraße 24 zu erhalten, gingen sie an die Öffentlichkeit. Daraufhin zogen weitere Leute ein, Licht- und Wasserleitungen wurden in Eigeninitiative wieder hergestellt und der zehnjährige Widerstand gegen den Abbruch des Hauses begann.

1973         

wurde das Haus Frauenstraße 24 endgültig besetzt – und Stürmer, der sich mittlerweile finanziell auch anderweitig übernommen hatte, musste Konkurs anmelden.

Im Jahr 1974 wurde das Haus unter Zwangsverwaltung gestellt, und der AStA der Universität, wurde als Hauptmieter des Hauses akzeptiert. In Eigeninitiative wurde das Haus renoviert. Aus der Konkursmasse Stürmers wurde dann das Haus dem Makler Schmalt, einem Freund Stürmers, zugesprochen. Er überbot den angegebenen Verkehrswert des Hauses gleich um 50 Prozent.

1977         

wurde die immer noch bestehende Abbruchgenehmigung verlängert und auch gleich beim Amtsgericht eine Räumungsverfügung gegen die Mieter und Mieterinnen erwirkt.

Aktivitäten wie Unterschriftensammlungen oder die unangemeldete Präsentation der Frauenstraße 24 auf dem Rosenmontagszug, künstlerische Gestaltungen wie das Verhüllen der gesamten Hausfassade und anderes, mobilisierten die Öffentlichkeit. Die Durchsetzung der Räumungsverfügung wurde verhindert. Außerdem saß Makler Schmalt inzwischen wegen zwielichtiger Geschäfte im Gefängnis.

1977        

wurde das Haus erneut unter Zwangsverwaltung gestellt, Mietverträge wurden abgeschlossen. Im August des gleichen Jahres gründete sich der „Verein Frauenstraße 24“.

1978

wurde der Verkauf des Hauses in einer Versteigerung anberaumt. In der Versteigerung erwarb der Makler Ernst aus Dortmund das Haus, und er betrieb sofort rabiat den Abbruch. Mit morgendlichen Räumkommandos ließ er einen Schuppen im Hinterhof, wo die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Fahrräder unterstellten, zerstören. Diese wehrten sich, es kam zu Handgreiflichkeiten.

1979

war ein Gasanschlag auf das Haus Höhepunkt der Auseinandersetzungen. Der Urheber des Anschlags konnte nicht ermittelt werden konnte.

Dank des Durchhaltewillens der Besetzerinnen und Besetzer und viel Solidarität von außen – unter anderen spendeten Bergleute aus dem Ruhrgebiet für den Winter ihre Deputatkohle – konnte Makler Ernst aufgehalten werden.

1980

wurde der letzte Antrag auf Verlängerung der Abbruchgenehmigung endgültig mit dem Hinweis auf die Denkmalschutzwürdigkeit des Hauses abgelehnt,

 

Von den 80ern bis heute: Erfolg und Krisen

 

1982

übernahm die landeseigene Landesentwicklungsgesellschaft das Haus. Seitdem werden die Wohnungen – vermittelt über den AStA der Universität – an Studentinnen und Studenten vermietet, und in den Erdgeschossräumen wird die Kneipe „Frauenstraße 24“ betrieben. Inzwischen wurde renoviert, die Fassade erneuert und der Verein kann auf rund dreißig Jahre reges Leben zurückblicken.

2010

spitzte sich die Situation für die F24 im Sommer wieder einmal zu: Wegen Beschwerden aus der Umgebung angesichts von Lärmbelästigung schritt das Ordnungsamt ein. Es durften keine Konzerte mehr stattfinden.

Doch auch diese Krise wurde bewältigt. Der Veranstaltungsraum wurde schallisoliert, Konzerte (auch lautere) finden wieder regelmäßig statt.

2012

trat die finanzielle Krise der Kneipe in den Vordergrund. Nach langen Diskussionen zwischen der Vereinsmitgliedschaft, dem Vorstand sowie der Geschäftsführung und den Beschäftigten der Kneipe wurde deutlich, dass die Trennung zwischen Verein und Kneipe zu vollziehen war, damit mit einer drohenden Pleite nicht auch der Verein in den Abgrund getrieben wurde.

2013 (20.10.)

Die Mitgliederversammlung beschloss die Übergabe des gesamten Gastronomiebetriebes an die „KulturKneipe GmbH“. Ihr Hauptgesellschafter war bis zu diesem Zeitpunkt Inhaber des Küchenbetriebes und hatte diesen in eigener Regie finanziell getrennt von der Kneipe erfolgreich geleitet. Mit diesem Trägerwechsel verbunden war die Übernahme aller finanziellen Verpflichtungen der Kneipe durch die GmbH. Der Verein war damit aller Schulden ledig.

Der Käufer bejaht die in der Satzung festgelegten Ziele des Vereins, bekennt sich zu der Tradition der KulturKneipe, wie sie durch die Besetzung des Hauses entstandenen ist und verpflichtet sich in diesem Sinne, sie als bekanntes, alternatives kulturpolitisches Zentrums inmitten der Stadt Münster zu erhalten. Er räumt dem Verein ein Nutzungsrecht für die Räumlichkeiten ein.

2014 (29.03.)

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung, die von einer Gruppe aus der Mitgliedschaft mit dem Ziel angestrebt worden war, den obigen Beschluss zu revidieren, wies dieses Ansinnen mit klarer Mehrheit zurück und bestätigte damit den Beschluss vom 20.10.2013.

2015

Schon vor dem Trägerwechsel war es gelungen, wieder regelmäßig Veranstaltungen im Hinterraum der Kneipe durchzuführen (s.o.), diese Kontinuität konnte nun gefestigt werden.

Gerade jungen Musikerinnen und Musiker aller Genres bietet die F24 eine gern angenommene Auftrittsmöglichkeit.

In monatlichem bis sechs-wöchentlichem Wechsel finden Ausstellungen statt. Poetry-Slam, Impro-Theater und das Quiz-Quartett werden regelmäßig durchgeführt. Die „F24-Sonntags-Matinee“ ist ein Forum, in dem aktuelle kulturelle und politische Diskussionen in unregelmäßigen Abständen organisiert werden. Lesungen finden sich im Programm, andere politische Initiativen und Vereine haben die Möglichkeit und nutzen diese auch immer häufiger, in der F24 zu brisanten Themen und Diskussionen einzuladen. Der KulturVerein „Frauenstraße 24“ verwirklicht damit die Ziele seiner Satzung „Kunst, Kultur und Bildung“ zu fördern und die „Frauenstraße“ zu einem Ort offener kultureller, politischer und gesellschaftlicher Debatte zu machen.

 

Eine Schülerarbeit zur Geschichte der Besetzung der Frauenstraße 24

Eine ausführlichere Darstellung der Auseinandersetzungen um die Frauenstraße 24 findet man in einer Arbeit, die 2011 als Beitrag zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten eingereicht wurde.

Sie kann hier heruntergeladen werden:

Tobias Leger – F24

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