Hartmut König: Sag mir, wo du stehst

03.10.2020 20:00 – 23:00 Uhr
Münster

Ausverkauft war die musikalische Lesung mit dem Liedermacher und Ex-DDR-Kulturpolitiker Hartmut König am 3. Oktober in der Trafostation. König las aus seiner Autobiographie und brachte mit kritischer Distanz zur DDR-Geschichte, aber klarer sozialistischer Haltung sein Publikum mal zum Nachdenken, mal zum Schmunzeln. Zwischendurch sang er Lieder, die in seiner Zeit als Mitglied des „Oktoberklubs“ entstanden waren, aber auch solche, die er in den drei Jahrzehnten nach dem Ende der DDR geschaffen hatte. Besonders eindrücklich: „Kleines Kaff am Arsch der Welt“, in dem er die Ursachen für das Erstarken der extremen Rechten im Osten Deutschlands gebündelt analysiert. Ein eindrucksvoller Abend.

Musikalische Lesung

Hartmut König war Liedermacher, FDJ-Funktionär und stellvertretender Kulturminister der DDR. So wie er sich einst mit seinem Lied »Sag mir, wo du stehst« positionierte, durchzieht auch seine Autobiografie die Suche nach politischer und menschlicher Ortung. Er berichtet über interessante
Begegnungen mit Künstlern und Politikern, wartet mit überraschenden Einzelheiten aus seinem ereignisreichen Leben auf und lässt gleichzeitig tief in die DDR-Kulturpolitik und in die Vorgänge hinter den Kulissen der Macht blicken.

König, im dritten Nachkriegsherbst geboren, wächst als Schul-, Kirch- und Grenzgänger in Ostberlin auf. In den sechziger Jahren ist er mittendrin in der entstehenden Beatszene. Als Liedermacher tritt er – als Pete Seeger ihm seine Gitarre leiht – bei der UNO-Weltjugendversammlung in New York auf, im eigenen Land polarisiert er mit seinen Texten. Von 1966 bis 1973 ist er Mitglied der Gruppe „Oktoberklub“. Doch nicht für die künstlerische Laufbahn entscheidet er sich, sondern für die Politik.

König erzählt sein Leben und singt seine Songs – verzahnt mit den politischen
Ereignissen ergibt das eine kleine, hochinformative Geschichte der DDR.

Eine Veranstaltung der „Woody Guthrie Konzerte 2020“, gefördert von der Rosa Luxemburg-Stiftung NRW.

Eintritt 12 Euro

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